Diagnostische Grundlagen und Voraussetzung für die Behandlung
Bevor ein Paar mit einer künstlichen Befruchtung beginnt, muss eine lückenlose klinische Diagnostik durchgeführt werden Ziel ist es, die spezifische Ursache der Unfruchtbarkeit zu finden, da diese die Wahl des Behandlungsverfahrens direkt beeinflusst.Hormonanalysen und ovarielle Reserve
Die Untersuchung der Frau beginnt in der Regel mit der Bestimmung des Hormonstatus am zweiten oder dritten Zyklustag. Hierbei werden Werte wie das Follikelstimulierende Hormon (FSH), das Luteinisierende Hormon (LH) und das Östradiol gemessen. Ein besonders wichtiger Indikator in der modernen künstlichen Befruchtung ist das Anti-Müller-Hormon (AMH), das Auskunft über die funktionelle Eierstockreserve gibt. Ein niedriger AMH-Wert deutet auf eine verringerte Anzahl an verfügbaren Eizellen hin, was die Wahl eines aggressiveren Stimulationsprotokolls erforderlich machen kann. Zusätzlich wird mittels transvaginalem Ultraschall der antrale Follikelcount (AFC) bestimmt, um die Reaktion der Eierstöcke auf eine hormonelle Stimulation vorherzusagen.Anatomische Integrität und Endometrium-Check
Neben den hormonellen Faktoren muss sichergestellt sein, dass die Gebärmutter anatomisch in der Lage ist, eine Schwangerschaft zu tragen. Myome, Polypen oder Fehlbildungen der Gebärmutterhöhle können die Einnistung verhindern. In vielen Fällen wird eine Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) oder eine Sonographie mit Kontrastmittel durchgeführt, um die Durchgängigkeit der Eileiter und die Beschaffenheit der Schleimhaut zu prüfen. In der künstlichen Befruchtung ist die Dicke und Struktur des Endometriums am Tag des Transfers ein entscheidender Faktor für den Erfolg, da eine unzureichend aufgebaute Schleimhaut das Risiko eines Einnistungsversagens erhöht.Männliche Fertilität und Spermiendiagnostik
Der männliche Beitrag zur Infertilität liegt bei etwa 40 bis 50 Prozent aller Fälle. Daher ist ein detailliertes Spermiogramm nach den aktuellen Standards der WHO unerlässlich. Bewertet werden die Konzentration (Menge), die Motilität (Beweglichkeit) und die Morphologie (Form) der Spermien. Liegt eine schwere OAT-Symptomatik vor, bei der alle drei Parameter eingeschränkt sind, ist die klassische IVF meist nicht ausreichend, und es muss auf das ICSI-Verfahren zurückgegriffen werden. In spezialisierten Laboren können zudem weiterführende Tests wie die Bestimmung der DNA-Fragmentierung der Spermien durchgeführt werden, um die Ursache für wiederholte Fehlgeburten oder Befruchtungsstörungen zu klären.Klinische Verfahren der künstlichen Befruchtung
Je nach Diagnose stehen unterschiedliche klinische Pfade zur Verfügung. Die moderne Reproduktionsmedizin verfolgt hierbei einen Stufenplan, der von der am wenigsten invasiven Methode bis hin zur hochkomplexen In-vitro-Technik reicht.| Verfahrenstyp | Klinischer Ablauf | Erfolgsrate pro Zyklus |
| Intrauterine Insemination (IUI) | Einführen aufbereiteter Spermien in die Gebärmutter zum Zeitpunkt des Eisprungs. | 10% bis 15% |
| In-vitro-Fertilisation (IVF) | Befruchtung von Eizelle und Spermien in einer Laborschale ohne direkte Injektion. | 25% bis 35% |
| Intrazytoplasmatische Injektion (ICSI) | Direkte Injektion eines einzelnen Spermiums in das Zytoplasma der Eizelle. | 30% bis 40% |
| Kryo-Transfer (FET) | Transfer eines zuvor eingefrorenen und wieder aufgetauten Embryos. | 25% bis 38% |

